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Nachbarschaftshilfe
Obertaufkirchen e.V.


 
 
 

Wie die Nachbarschaftshilfe Obertaufkirchen entstand

Am Freitag, 23. 7. 2009 berichtete der "Mühldorfer Anzeiger" über die Informationsveranstaltung beim Pointvogl in Obertaufkirchen.

Besteht Bedarf für Nachbarschaftshilfe?

Kommune will Interesse vorab prüfen - Leistungsspektrum in anderen Kommunen variiert

Obertaufkirchen  -  Immer mehr Menschen sind auf die Hilfe anderer angewiesen. Sei es, weil sie sich im Alter allein zuhause versorgen oder Unterstützung bei der Betreuung ihrer Kinder benötigen. In einigen Gemeinden haben sich Bürger zu Nachbarschaftshilfevereinen zusammengeschlossen. Was es damit auf sich hat, dies wurde bei einer Informationsveranstaltung der Gemeinde Obertaufkirchen im Gasthaus Pointvogl geklärt. Die Moderatorin der Veranstaltung, Annemarie Empl, erklärte, man wolle diese Idee der Nachbarschaftshilfe in die Bevölkerung tragen und bestenfalls zu einem Verein bringen. Prominente Unterstützung sicherte sich Empl mit Bürgermeister Franz Ehgartner, der dieses Thema als "sehr wichtig" erachtete. Die Idee werde nachhaltig begrüßt, sagte er.

Ein konkretes Bild über organisierte Nachbarschaftshilfevereine konnten sich die Zuhörer mit Hilfe dreier Referenten machen. Margit Niedermaier aus Hohenpolding, Silvia Wolf aus Haag und Matthias Brenner aus Isen stellten jeweils bereits gegründete Vereine in ihren Kommunen vor. Hilfe gegen geringes Entgelt.
 
Die Schwerpunkte im Leistungsspektrum werden dabei je nach Bedarf in den betroffenen Gemeinden gesetzt. Meist trifft dies auf die Seniorenbetreuung zu: Fahrdienste, Essensausfahrten oder sogar leichte pflegerische Tätigkeiten führen ehrenamtliche Helfer aus der Gemeinde gegen ein geringes Stundenentgelt aus, das der Betroffene entrichtet. Doch auch eine Kinderbetreuung sei durchaus möglich, erläuterte beispielsweise Margit Niedermaier.
 
In ihrem Verein sei ein "Zwergerlkindergarten" gegründet worden, in dem Kinder ab zwei Jahren betreut würden. Sie rief zu einem Appell an die Menschen auf, eine solche Hilfe anzunehmen. Dennnoch stelle die Hilfestellung durch einen organisierten Verein nur eine Uberbrückungsmaßnahme dar, da die Helfer schließlich keine Fachkräfte seien. Letztlich komme es in Obertaufkirchen auf die Einsatzleitung an, die die jeweiligen Helfer gemeindeweit koordinieren könne. Idealerweise solle eine solche Position über entsprechende Qualifikationen verfügen, wie etwa eine Pflegerin, Erzieherin oder Krankenschwester. Eine solche Aufgabe würde auch mit einer Aufwandspauschale vergütet.
 
Die Gemeinde will nun vorab einmal prüfen, wo Bedarf für Nachbarschaftshilfe bestehe und stellt einen Fragebogen auf der Homepage www.obertaufkirchen.de bereit. Der Fragebogen soll aus gefüllt an die Gemeinde zurückgegeben werden. Aufgrund der Rückmeldungen wolle die Kommune entscheiden, ob ein Nachbarschaftshilfeverein gegründet werden kann. 
 
Soweit der Zeitungsbericht.
 

 
Hier noch ein paar Bemerkungen zum Informationsabend. Sehr erfreulich war der Besuch der Veranstaltung. Das Wirtszimmer war voll. Beeindruckend war die Anwesenheit vieler Gemeinderäte. Die Informationen wurden von allen Besuchern sehr positiv aufgenommen.
 
Frau Niedermaier z.B. erläuterte die Entstehung des sozialen Netzwerkes in Hohenpolding. Es besteht seit 1977 und begann mit 17 Mitgliedern. Diese wurden schnell mehr und heute sind es 122. Sie leisten Hilfe im Notfall z.B. in der Seniorenbetreuung, kleine Hilfen im Garten und Mobiltätshilfen. Es handelt sich immer um die Überbrückung einer aktuellen Notsituation.
 
Anfangs sei es ein Problem gewesen. Ältere Menschen haben ein Problem, sich helfen zu lassen. Das habe sich aber inzwischen gelegt und man arbeite sehr vertrauensvoll zusammen. Die Helfer werden fachlich eingewiesen und frischen die Kenntnisse vom Babysitting bis zur Altenpflege auf. Sehr wichtig sei auch, dass die Helfer einer Verschwiegenheitspflicht unterliegen. Damit wird die Privat- und Intimsphäre der Hilfsbedürftigen geschützt.
 
Die Nachbarschaftshilfe ist keine Konkurrenz zu den professionellen Einrichtungen, sondern springt immer nur im akuten Notfall ein. Es gibt leider einen Bereich vor dem Beginn einer Pflegestufe, der kostenmäßig nicht abgesichert ist und nur aus einfachen Hilfeleistungen bestehe. Öffentliche Verkehrsmittel stehen nicht immer zur Verfügung. Wie kommt ein älterer Mensch zum Arzt in der Kreisstadt oder im Nachbarort, wenn er nicht mehr Autofahren kann und keine Angehörigen, die helfen können? Wie kommt er zum Einkaufen, wenn die Möglichkeiten beschränkt sind? Manchmal brauchen gestresste Eltern dringend ein paar Stunden für wichtige Termine oder nur für eine kleine Auszeit zur Erholung. Helfen ist keine Frage des Alters. Wer helfen kann ist willkommen. Jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten.
 
Frau Silvia Wolf leitet einen ambulanten Pflegedienst in Haag und hat dabei festgestellt, dass es einen hilfebedürftigen Bereich vor dem Erreichen einer Pflegestufe gibt, der sehr oft aus eigener Kraft nicht abgedeckt werden kann. Deshalb hat sie den Verein Sonne-ev mit Sitz in Gars gegründet. Der Aufgabenbereich ist sehr gut unter der Rubrik "Wir über uns" dargestellt. Betreut werden Einwohner im Bereich der Pfarrei Gars/Inn und den Gemeinden Gars/Inn, Kirchdorf, Reichertsheim, Jettenbach, Unterreit und Aschau/Inn mit angrenzenden Gebieten.
 
Matthias Brenner aus Isen stellte die Nachbarschaftshilfe Isen vor und zeigte einen schon sehr beachtlichen Rahmen auf. Der Verein wurde 2006 mit 30 Mitgliedern gegründet, heute sind es fast 300.
 
Nachbarschaftshilfen gibt es auch in Städten, z.B. die Nachbarschaftshilfe Taufkirchen im Landkreis München. Dies geht weit über den Rahmen einer dörflichen Nachbarschaftshilfe hinaus, ist aber sehr informativ und zeigt die Vielfalt auf.
 
Innerhalb der staatlichen Verwaltung wird an vielen Stellen auf die unverzichtbare "Nachbarschaftshilfe" verwiesen. Ein sehr passender Redebeitrag als Pressebericht anläßlich eines 35-jährigen Jubiläums eines Familien- und Altenpflegehilfe-Vereines zeigt auf, wie wichtig diese Nachbarschaftshilfen sind und welche Wertschätzung sie genießen.
 
Es wäre schon schön, wenn wir es in Obertaufkirchen schaffen "ein paar Stunden für unsere alten oder jungen hilfebedürftigen Nachbarn" aufzubringen. Man weiss ja nicht, wann man selber einmal für Hilfe dankbar ist. Die Gemeinde kann nicht alles organisieren und tragen. Sie wird die Idee sicher, soweit möglich, fördern und unterstützen - soweit Bürgermeister Ehgartner. Er sprach zum Schluß einen herzlichen Dank an Frau Empl aus Oberornau und an Frau Göppenhammer, die den Abend organisiert hatten, aus.